Christine Haidegger
Ein Porträt von Heidi Petermichl, Foto: Andreas Hauch
Christine Haidegger wurde als Kind österreichischer Eltern 1942
in Dortmund geboren und kam mit sechs Wochen nach Oberösterreich
zurück. Über das Leben in ihrer Kindheit gibt ihr Roman Zum
Fenster hinaus (Hamburg: Rowohlt 1979) mit dem Untertitel "Eine
Nachkriegskindheit" - einer der ersten deutschsprachigen Romane,
die sich mit dieser Zeit auseinandersetzen - Auskunft.
Schon immer beschäftigte sich Haidegger mit Sprache und veröffentlichte
mit 10 Jahren ihr erstes Gedicht in einer Schülerzeitung. Nach
der Matura lebte sie in Großbritannien, Frankreich und Italien.
1964 heiratete sie Eberhard Haidegger, 1965 wurde ihre Tochter Christina-Maria
geboren. Im Anschluss an eine Lesung in Innsbruck entstand 1976 ihr
Gedichtband Entzauberte Gesichte (Darmstadt / vergriffen). Ohne Rücksprache
mit der Verfasserin versammelte das Lektorat aus etwa fünfhundert
vorhandenen Gedichten willkürlich einen Querschnitt von Texten,
die zwischen dem 13. und 30. Lebensjahr der Autorin entstanden waren.
Der Grundtenor der Gedichte ist Leiden und Verzweiflung, Einsamkeit
und die Suche nach Nähe. Einflüsse von Christine Lavant und
Paul Celan sind spürbar. Viele der in dem Band enthaltenen Gedichte
(so auch das untenstehende) wurden in mehrere Sprachen übersetzt
und in Anthologien veröffentlicht.
UNSERE EINSAMKEIT
ist so
: daß wir das zuckende Herz
auf den wehrlosen Handflächen
darbieten könnten
Den Vögeln zur Speise
Niemandes Auge
erhöbe sich
(Christine Haidegger: Entzauberte Gesichte. Darmstadt 1976. S. 49
/ Mit freundlicher Genehmigung von Christine Haidegger)
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