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Rauriser
Literaturtage

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"Manchmal sind die wahren Zuhause schon ausgestorben ..."

von Brita Steinwendtner

"... Rauris war schon immer ein besonderer Ort. Knapp 2000 Einwohner zählt es heute, vornehmlich Bauern, Gewerbetreibende und Beschäftigte in der Tourismusbranche. Ein Hochtal, tief eingeschnitten ins Gebirge aus Urgestein, weit hinauf die grünen Hänge, ganz oben die Gipfel und Kare im ewigen Eis."

"Die Rauriser Literaturtage sind eine regionale Veranstaltung, deren Tendenz und Zielsetzung antiregionalistisch ist. Sie beziehen ihre Kraft aus dem Ambiente eines Bergdorfes, ihre Programmgestaltung und Ausstrahlung sind jedoch grenzüberschreitend: hinaus übers Dorf, übers Tal, die Grenzen des Staates und die Grenzen der Borniertheit."

"Je offener der Begriff von Heimat wird, je flexibler sie sich mit Gedanken aus aller Welt anreichert, desto weniger kann man sie verlieren. Das "wahre Zuhause" wird in Zukunft eines sein, das man sich täglich neu ergänzt und überdenkt. So wird es auch nicht sterben. So wird es auch nicht aussterben.

In Ansätzen sind die Rauriser Literaturtage ein Minimodell für einen regionalen und zugleich weltoffenen Heimatbegriff. In 30 Jahren wurden, auch in vielen Rückschlägen, durch die Begegnung mit Dichterinnen und Dichtern aus Albanien, Algerien, Baskenland, Bosnien, Deutschland, Island, Israel, Marokko, Österreich, Schweiz, Sorbenland, Tschechien und den USA ein paar Steine gewälzt, die nicht mehr den Nordhang des Sonnenblicks zurückrollten ins Tal der Rauriser Ache."

(Geänderte und erweiterte Fassung des Vortrages für das Internationale Symposium "Heimat: regionale Identitäten im historischen Prozeß" an der Universität Feltre/Padua vom Oktober 1999.)

 

© Sylvie Mellot, 2001