Der Absatz des Monats...

...  soll als Leseanregung dienen. Wir stellen Ihnen hier Werke von AutorInnen mit Oberösterreichbezug vor.

Unser Absatz des Monats Juni ist ein Auszug aus dem 2017 im Czernin Verlag veröffentlichten Prosaband Die zwei Henriettas. Eine Odyssee der Autorin Lisa Spalt.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

 

Du wendest dich wieder Irvin O. Curtice jr. zu, US-amerikanischer Grundbesitzer und Inhaber des Homestead Patents #COP 0035770, Huerfano County, Colorado. Zunächst, zwecks  Überprüfung deiner Daten, www.findagrave.com. Du bist verwirrt: Die Geschichte, die du da jetzt zu lesen kriegst, hat bisher sicher nicht hier gestanden. Text: Es ist der 25.2.1936. Curtice ist in ein Diner in Denver getreten, um zu speisen, er sieht ein paar Gästen zu, die sich aus irgendeinem Grund zu prügeln begonnen haben. Dann geht Irvin zu Boden. Ein unabsichtlicher Schlag auf den Kopf hat ihn getroffen. Irvin hatte nichts mit der Schlägerei zu tun. Er liegt mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus in Denver, stirbt, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Im Netz das Faksimile einer Todesanzeige. Eintrag vom Masonic Temple in Pueblo: Irvin liegt im Davis Mortuary, Ecke Broadway und Evans. Sherman Street und Grant Street, die Straßen, in denen Henrietta Goeritz gewohnt hat, befinden sich in unmittelbarer Nähe. Konsultiere google.at/maps. Das Davis Mortuary ist nicht zu finden. Dann die Erkenntnis: Die Davis-Aufbahrungshalle befindet sich gar nicht in Denver, sondern in Pueblo. Zurück zu www.google.at, Eingabe «Masonic Lodge + Broadway + Pueblo», jetzt auf «In der Nähe suchen» gehen. Da ist es: Davis Mortuary, Ecke Broadway und Evans, gleich um die Kurve liegt zwar nicht GRANT STREET, aber doch GRANT AVENUE. Und dann noch ein paar weitere verwirrende Pläne aus Denver, unterschiedliche Antwort- Karten auf die immer gleiche Frage nach 4050 Grant Street, das Haus, in dem Familie Goeritz wohnt: […]. Endlich der 6. März des Jahres 2015. Du klickst auf den «Silver Cliff Rustler» vom 6. März des Jahres 1936. Eine gewisse Produktionszeit angenommen, kann die Nachricht, die du da siehst, nur von einer Hellseherin verfasst worden sein. Da steht: «Man war gestern, am 6. März 1936, überwältigt angesichts der Masse von Blumenspenden, die zum Begräbnis von Irvin O. Curtice jr., kürzlich verstorben im Alter von nicht ganz 33 Jahren, auf dem Mountain-View-Friedhof in Pueblo, Colorado, eingelangt sind.» Mail an Terri: Was weiß sie über den Mord? Terri: Zum Zeitpunkt des Todes von Irvin O. Curtice jr. leben Henrietta und Irvin bereits in Scheidung. Du: Was hat die Scheidung mit dem Mord zu tun? Und warum wurde Irvin in die Aufbahrungshalle der Freimaurer verfrachtet? Terri antwortet nicht. Mail an die Masonic Lodge in Pueblo: Bekommst du hier Informationen zu dem Mann? War er in der Loge? Keine Antwort. So kommst du nicht weiter. Du schreibst wieder einmal an die Jesuiten: Was wissen sie über Bruder Josef? Über Brother Joe Schwart? Die Suchmaske bietet zwei Anreden an: Herr oder Frau? Eingabe: Frau. Die Seite meldet einen Error. In deiner Verzweiflung noch einmal Suche nach der Todesanzeige von Irvin O. Curtice. Gibt es hier einen Hinweis, den du übersehen haben könntest? Dann wirds mysteriös. Es hilft alles nichts: Die Todesanzeige von Irvin ist weg. Der Scan vom «Pueblo Chieftain» ist nicht mehr im Netz. Versuchst du unbewusst, ein bisschen Dramatik in deine Recherche zu bringen, indem du das Auffinden des Artikels vermeidest? Wollen sich die Freimaurer in deiner Geschichte wichtigmachen? Haben sie die Entfernung des Artikels erwirkt? Warum? Wird hier vielleicht irgendetwas vertuscht? Jedenfalls besitzt du einen Ausdruck der Anzeige und kannst beweisen, dass du hier wirklich gar nichts erfindest. Dann ein Fund zur Google-Suche «Freimaurer + Denver», der Titel «Der Flughafen von Denver, das jüngste Gericht und Henry Kissinger». Die Seite zeigt zuerst ein Foto (A), auf dem Henry Kissinger in der Nase bohrt. Auf dem zweiten (B) steckt er sich etwas in den Mund. Ob die Aufnahmen direkt hintereinander gehören, ob da also einigermaßen wahrscheinlich ein Popel zuerst ausgehoben und dann in den Mund gewandert ist, ist nicht zu eriuieren. Außer dem im vorliegenden Dokument in der Nase bohrenden Kissinger hat, so liest du, zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Flughafens von Denver keiner mehr auch nur den kleinsten Überblick über die Anlage. Die Baufirmen werden im Lauf der Fertigstellung ständig gewechselt. Die Anzahl der projektierten Landebahnen wird immer mehr reduziert, sodass am Ende die Kapazität des Flughafens kleiner ist als beim alten Stapleton International. Auch bedenkenswert, dass zu Beginn der Bautätigkeit fünf Gebäude errichtet werden, die man dann wieder niederreißt mit der Ausrede, man habe sie falsch aufgestellt. Weitere seltsame Daten sind zu gewärtigen: Die beim Bau bewegte Erdmasse beträgt etwa ein Drittel von jener, die beim Bau des Panamakanals umgeschichtet wurde – eine derartige Masse an Aushub ist völlig unerklärlich. Weiters ist das ganze Areal mit einem Wachzaun aus Stacheldraht umgeben, der oben nach innen geneigt ist und nicht etwa nach außen. Das weist eindeutig darauf hin, dass man hier Leute in dem Gebäude drin halten will und nicht draußen, wie das bei allen Flughäfen logischerweise der Fall sein sollte. Und überhaupt – das Äußere der Anlage: Die Landebahnen sind in Form eines Hakenkreuzes angelegt. Eine Warnung? Vielleicht nicht an uns, sondern an Außerirdische, die das Ding vom Weltall aus sehen? Denkt hier jemand, Hitler kreise noch da oben in seinem Raumschiff und erfahre durch dieses Zeichen, dass seine Zeit wieder gekommen sei? Man bedenke, dass es dann mit einiger Wahrscheinlichkeit die Freimaurer wären, die ihn gerufen hätten, und das könnte zukünftige Konflikte doch eventuell in einer heilsamen Verwirrung untergehen lassen. Jedenfalls aber sind die Zeichen der Freimaurer am Flughafengebäude überall zu finden. Der Verein hat außerdem auch eine Zeitkapsel dort vergraben, die erst in 100 Jahren geöffnet werden darf. Doch zurück zum Bau selbst. Eine der brennenden Fragen bleibt, welche Funktion die circa acht Untergrund-Levels des Gebäudes haben sollen. Die Arbeiter, die dort tätig sind, lehnen es strikt ab zu berichten, worin ihre Arbeit besteht. Einem Gerücht nach hat man im Untergrund ein Gepäckbeförderungssystem installiert. Allerdings soll es nie funktioniert haben. Laut Berichten wurde es nach 2005 endgültig abgeschaltet. Was also jetzt wirklich in den unterirdischen Räumen geschieht, kann man nur andeutungsweise durch einen Vorfall erklären: Im Jahr 2007 wurde am Flughafen die Elektronik von 14 Handelsflugzeugen gestört. Es muss angenommen werden, dass starke elektromagnetische Ströme für die Störung verantwortlich waren. Als einzig mögliche Quelle der Ströme sind, informiert wieder das Netz, die unterirdischen Bauten des Flughafens anzunehmen, in denen anscheinend von Freimaurern und/oder Illuminaten geheimnisvolle Experimente vorgenommen werden, in denen elektromagnetische Ströme eine Rolle spielen. Die Illuminaten sind, so liest man, Leute, die behaupten, sie kämpften gegen die Beherrschung des Menschen durch den Menschen. Man stelle sich einmal vor, wie die Welt aussähe, wenn solche Typen die Weltherrschaft übernähmen. Teilweise ist das übrigens schon der Fall, zum Beispiel hat die Queen, die selbst ein Mitglied dieser Gesellschaft ist, das Gelände um den Flughafen Denver herum aufgekauft. Das kann doch kein Zufall sein. Aber jetzt sehen wir uns einmal das Innere des Flughafens an: Die Malereien, die die Innenräume des Gebäudes fast vollständig bedecken, zeigen sterbende Kinder und andere beunruhigende Motive. Allerorten erscheint das Maya-Symbol für 2012, das für den Weltuntergang steht. Wir haben 2016, und das sollte uns zu denken geben. Das Ganze ist auf keinen Fall ein Beweis von bloß schlechtem Geschmack, wie man uns immer wieder weismachen will, sondern eine Ansammlung von Symbolen einer globalen Elite, die uns vernichten möchte. In den Malereien taucht auch mehrmals das Kürzel AU AUG auf, das für das tödliche Gift AUSTRALIA ANTIGEN steht, den wirksamen Bestandteil in den zugelassenen Hepatitis-B-Impfstoffen und womöglich die Waffe der Wahl, wenn man einen weltweiten Genozid und eine neue Weltordnung plant. Es könnte aber bei der Abkürzung auch um das STEYR AUG gehen, also das STEYR-ARMEE-UNIVERSAL-GEWEHR, das im Zusammenhang mit der für manche doch offensichtlichen Hakenkreuzform des Flughafens von Denver einen speziell österreichischen Hautgout erhält. Dann noch ein paar wichtige Kleinigkeiten: Das Pferd aus Glasfaser, das den Eingang des Flughafens verunziert, hat seinen Schöpfer, Luis Jimenez, erschlagen, während jener daran gearbeitet hat. Es stellt nicht von ungefähr das vierte der Apokalypse dar. Sein Name ist «Tod». Und so kommen wir durch den Eingang mit jenem Pferd in die Empfangshalle des Airports, die zu allem Überfluss «Große Halle» genannt wird, da ist dann doch alles klar: So nennt sich der Raum, den die Freimaurer für ihre Zusammenkünfte nutzen. Aber auch ein Architekturprojekt Adolf Hitlers hieß so, ja, überall auf der Welt werden mittlerweile von undurchschaubaren Gesellschaften Teile von Gebäuden auf diese Weise benannt. Man bedenke: Selbst die Wiener Stadthalle verfügt über eine «Große Halle». Was aber, fragen Sie, haben die beiden Henriettas mit dem erwähnten Komplex zu tun? Mit dem in der Nase bohrenden Henry Kissinger? Nun, halten Sie sich fest: Henrietta ist bekanntlich das Enkelkind deutscher Siedler. Aber auch Henry Kissinger emigrierte mit seiner Familie im Alter von 15 Jahren aus Deutschland in die USA. Google «Henrietta + Kissinger». Und bitte, da haben wirs: HENRIETTA C. KISSINGER, geboren 1892 in Pennsylvania. Die Siedler! Sie sind es!


© Lisa Spalt: Die zwei Henriettas. Eine Odyssee. Wien: Czernin Verlag, 2017.