Der Absatz des Monats...

...  soll als Leseanregung dienen. Wir stellen Ihnen hier Werke von AutorInnen mit Oberösterreichbezug vor.

Unser Absatz des Monats Mai ist ein Auszug aus dem noch unfertigen Theaterprosastück "Zirkus. Ein Glamourstück für politisch schwierige Zeiten" der Autorin Daniela Emminger.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!


 

Heil Orang, heil Utan!

Eine Braunauer Hitlergeburtstagsfiktion.

 

Ob sie aufgeregt ist, natürlich ist sie aufgeregt, sie = die Guerilla-Autorin. Man fährt schließlich nicht alle Tage in die Hitlerstadt, um dort vor dessen Geburtshaus im Affenkostüm zu posieren und die Braunauer = österreichische Er = Endlösung zu behirnen. Jetzt waren in der Stadt am Inn ja schon immer die Affen losgewesen, genau gesagt seit das sturzgeborene Inzestbröckerl, der spätere Irreführer und Monsterdiktator Aha! (= A. H.) am 20. April 1889 im Haus Salzburger Vorstadt Nr. 15 das Licht der Welt erblickt hatte. Aber so weit musste man gar nicht zurückgehen in der Affenzirkus-Chronologie. Da reicht schon ein Schielen ins Jahr 2016 auf die nicht enden wollenden Diskussionen rund um das Hitlerhaus und dessen Nutzung ­– als Gedenkstätte, Heim für Frauen oder physisch und psychisch Beeinträchtigte, SPAR-Supermarkt, Pokémon-Go- oder Ground-Zero-Location, alle möglichen Szenarien waren damals im Gespräch gewesen, vor allem bei den Ausheimischen, weil den Einheimischen hingen die Braunauer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seit Jahrzehnten zum Halse heraus. Oder 2017, als plötzlich aus dem Nichts der Harald Hitler (= H. H.) in Braunau aufgetaucht war und als Irreführer-Double für lautmalerischen Wirbel gesorgt hatte: Ha-hi!, Ha-ha!, Ha-tschi!, obgleich zum Initial-Lachen war die ganze Geschichte ja heute noch nicht, man musste sich ja schon fragen, ob und wie viel Aufmerksamkeit man einem potenziellen Irreführer = Welt(be)herrscher = Wahnsinnigen wie dem Harald zukommen ließ, ob sich das nicht sogar kontraproduktiv auswirkte, denn genau das wollte so einer ja, mit großen Augen groß angeschaut werden.

Und schließlich könnte man auch einfach an der Gegenwart ein Exempel statuieren, in der die jüngsten Irreführer = Welt(be)herrscher = Wahnsinnigen, etwa der Orang-Berti, der Utan-Bumsti und wie sie sonst noch alle heißen, ihr Unwesen treiben, zwar nicht speziell in Braunau, dafür aber gleich im ganzen Land, es in den braunen Dreck hineinziehen, dem Menschenverstand einen rechten Haken verpassen, dabei Haken(kreuze) wie Kreuzzeichen schlagen, ungestraft ihren unmenschlichen Rotz auswerfen und tags darauf wieder nach oben ziehen, nach eigenem Ermessen die Wahrheiten verdrehen, nach rechts = dem Rechten sehen – mitunter überfallkommandoartig mitten in der Nacht – und solange neurolinguistisch um den Brei herumreden, bis am Ende selbst der Wahrheitsliebendste, Menschenfreundlichste und Gescheiteste nicht mehr weiß, wo oben und unten, hinten und vorne ist. Als ob das ginge, als ob das nicht geht, seit die Möchtegerne an die Macht gekommen sind und nicht mehr nur möchten, sondern plötzlich können und dürfen. Aber zurück nach Braunau. Zum Glück hatte sie = die Guerilla-Autorin vor nicht allzu langer Zeit die geniale Idee mit dem Affenkostüm und der Nazi = Affenwerdung gehabt. Jetzt war der Besitz eines Affenkostüms ja generell nicht verkehrt,auch dann nicht, wenn man nach Braunau reiste. Im Gegenteil, in so einem Kostüm war jedweder Wahnsinn, der eigene wie der fremde, der innere wie der äußere, hervorragend aufgehoben, in so einem Kostüm gab es kein Entkommen. Sie selbst hatte es erlebt, war ja hineingeschlüpft in die Gorillahaut, auch wenn ihre kleine Autorinnen-Hysterie im Vergleich zu einem Nazi = Braunauwahnsinn natürlich völlig harmlos war. Zwei ganze Jahre lang hatte sie sich so zum Affen gemacht, ganz dem Gorillafeeling hingegeben, bis sie plötzlich intuitiv wusste, wie sich die leidige Braunau-Chose, die erneut aufkeimenden Lehr- und Herrenjahre der Rechten, das alljährliche Anrücken und Pilgern der Neonazis = Uh-uh! Äh-äh! zum Hitlerhaus am 20. April vielleicht in Luft auflösen ließen. Wie man es anstellen musste, die Unmöglichkeit der Vergangenheitsbewältigung zu überwinden und eine braun-blaue Assoziationsauslöschung von 1889 bis heute zu erreichen. Eine unglaubliche Kraft hatten dieses Affenwissen und Menschenempfinden in ihr freigesetzt, die beide nicht dem Kopf, sondern dem Instinkt entsprungen waren und alleine deshalb Willen brechen, Ungeheuer und Ungeheuerlichkeiten bezwingen und sich jetzt ungezähmt, unkontrolliert und wild in hoffnungsfrohen Affenschreien, in ausgelassenen Affenjuchzern kumulieren konnten vor lauter Aufregung über diebevorstehendenBraunauer Laut- und Zeit- und Wahrheitsverschiebungen: Aha! Uh-uh! Äh-äh! Sie hatte die (Er)Lösung = das Ende = die Endlösung direkt vor ihrem geistigen Gorillaauge. Die Braunauer und rinnen mussten gerettet, das Hitlerhaus befriedet, die ganze Stadt in rosa Zuckerwatte gepackt und vom ewigen braunen Morast befreit werden, der an ihr klebte, der sämtliche Ritzen, Winkel und Wege verstopfte und das Karma blockierte.

© Daniela Emminger