Der Absatz des Monats...

...  soll als Leseanregung dienen. Wir stellen Ihnen hier Werke von AutorInnen mit Oberösterreichbezug vor.

Unser Absatz des Monats Dezember ist ein Auszug aus einem unveröffentlichten Prosatext der Autorin Marie Luise Lehner.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!
 

Wär­me, die

Substantiv, feminin

a.      Zustand des Warmseins

b.     Herzens-, Gefühlswärme, Warmherzigkeit, Herzlichkeit

c.      von hoher Temperatur (zwischen lau und heiß)

Die Wärme wird im Gegensatz zur mechanischen Arbeit ohne Veränderung äußerer Parameter, wie z. B. dem Volumen, aufgenommen oder abgegeben.

a. Wärme entsteht im Sommer auf meiner Haut. Mir wird warm beim Radfahren. Meine Heizung ist warm.

b.            „Das Wesen des Lebens ist Wärme. Selbst Hass ist gegen ihre natürliche Richtung gekehrte Wärme." (Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee)

Meine Großmutter hat eine starke Herzenswärme, sie gibt viel und fordert nichts. Liebe ist warm. Freundschaft ist warm.

c. Wärme ist angenehm. Wenn mir nicht warm ist, friere oder schwitze ich.

d. Wärme ist feminin. Die Wärme. Was das bedeutet weiß ich nicht.

Wärme löst eine Assoziation aus. Die Idee das Wärme etwas klischeehaft „urweibliches“ ist, vielleicht.

e. Vor „Wärme“ im Wörterbuch: „Warmduscherin“. Bedeutung: Weibliche Form von „Warmduscher“.

„Warmduscher“, Bedeutung: (abwertend) Weichling. Synonyme: Schlappschwanz, Schwächling.

Wärme ist schwach. Wärme ist nicht „männlich“. Wenn Wärme stereotyp „urweiblich“ gelesen wird, im Gegensatz zu etwas Hartem. Wärme ist weich. Wärme ist ungesteuert emotional.

f.             Warm: (übertragen) homosexuell

„Ein/e Warme/r“ ugs. Synonym von „Vom anderen Ufer“, „Andersrum“ Bedeutung: (abwertend) eine homosexuelle Person.

In der Thermodynamik ist Wärme die Energie, die zwischen zwei Systemen aufgrund von Temperaturunterschieden übertragen wird.

Wärme wird übertragen. Nicht Kälte. Wärme ist etwas zwischen den Dingen. Sie überträgt sich. Wärme bleibt nicht dort, wo sie war.

g.

Wärme ist erotisch.

Ähnlich wie vielleicht auch „Spannung“ oder „Weichheit“.

In Peter Weibels Performance „Mehr Wärme unter die Menschen“ (1972)  sind am Körper einer Darstellerin an verschiedenen erotisch besonders konnotierten Körperstellen (Hals, Achselhöhlen, Strumpfbandgürtel, Genitalbereich) Reibeflächen von Zündholzschachteln fixiert.

Der Darsteller entzündet ein Streichholz an diesen Reibeflächen und gibt der Darstellerin Feuer.


© Marie Luise Lehner